Guaredisch nedunfeg

Völlig unterschätzt: der Blindtext.

Guaredisch nedunfeg ist ja ganz okay. Aber es geht viel besser. Hier meine zwei blinden Lieblingstexte. Einer funktional, einer sensational. Sehen Sie selbst:

Das hier ist der nützlichste und klügste Blindtext der ganzen Welt, weil er dir genau sagt, wann 100 Zeichen vorbei sind (gleich nach der Zahl). Kaum begreift man das Prinzip, zählt der Text schon 200 Zeichen, inklusive Leerschläge. Damit hast du nun eine geniale Methode zur Hand, einen Text von 300 Zeichen Länge zu visualisieren. Mal angenommen, du willst sehen, welch ansprechenden Textkörper 400 Zeichen bilden können – jetzt hast du ein Mass dafür. Und nachdem dieser amüsante Blindtext mit 500 Zeichen die Hälfte erreicht hat, könnte man eine Betrachtung anstellen, die sich schon über die 600er Marke hinaus erstreckt: Haben wir es hier wirklich mit Blindtext zu tun, oder könnte man nach 700 präzis getexteten Zeichen nicht schon von Content sprechen? Mit dieser Frage überrollen wir die 800-Zeichen-Grenze und bedanken uns herzlich, dass du diesen vermeintlich blinden Text von mehr als 900 Zeichen Länge tatsächlich gelesen hast. Damit setzen wir den Schlusspunkt, und zwar hinter die 999.

Achtung! Dieser Blindtext wird gerade durch 130 Millionen Rezeptoren Ihrer Netzhaut erfasst. Die Zellen werden dadurch in einen Erregungszustand versetzt, der sich über den Sehnerv in dem hinteren Teil Ihres Gehirns ausbreitet. Von dort aus überträgt sich die Erregung in Sekundenbruchteilen auch in andere Bereiche Ihres Grosshirns. Ihr Stirnlappen wird stimuliert. Von dort aus gehen jetzt Willensimpulse aus, die Ihr zentrales Nervensystem in konkrete Handlungen umsetzt. Kopf und Augen reagieren bereits. Sie folgen dem Text, nehmen die darin enthaltenen Informationen auf wie ein Schwamm. Nicht auszudenken, was mit Ihnen hätte passieren können, wenn dieser Blindtext durch einen echten Text ersetzt worden wäre.

Oooops!

404
Habe locker lächelnd den neuen Focus Rechtschreibtest gemacht.
Zwei Fehler! Wer hätte aber auch gedacht,
dass nach dem eislaufen das Ski laufen richtig ist –
und dass nach der Grußformel nie ein Satzzeichen folgt.
Man lernt nie aus.

Mit freundlichen Fehlern
Michael Grupp

Firlefanz

lexikon„Flüchtlinge“ ist das Wort des Jahres 2015; „Gutmensch“ das dazu passende Unwort. Soweit, so korrekt. Eine sehr viel spannendere Liste bietet die Wahl zum bedrohten Wort des Jahres. Ein Blick ins entsprechende Buch wird zum Stelldichein so mancher Preziosen. Da trifft der Eumel auf den Haderlump, der Lotterbube auf die Karteileiche, der Dreikäsehoch auf die Hupfdohle. Aus dem Schallplattenalleinunterhalter wurde der DJ. Da haben wir den Bandsalat.

Palim, Palim

Zweifelsohne eine der besten onomatopoetisch intonierten Wortschöpfungen der Nachkriegszeit. Dafür kriegt Dieter H. jetzt den Medienpreis der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS). Das sei ihm vergönnt. Damit befindet er sich im erlauchten Kreis von Wolf Schneider und Harald Schmidt. Dessen Laudatio hielt 1998 übrigens Alice Schwarzer und ist noch im Netz zu finden. Lustig. Der Preis ist nicht dotiert.
Der wahre Preis von „Palim, Palim“ betrug übrigens 500 Westmark. Denn der Sketch stammt nicht aus der Feder von Herrn Hallervorden, sondern von Heinz Quermann, einem Freien aus der DDR.
Woran man sieht: Freelancers rule!

Non scholae, sed vitae discimus?

Pflichtlektüre fürs Deutschabi im Jahre 2016: „Homo faber“ von Max Frisch, „Dantons Tod“ von Georg Büchner und „Agnes“ von Peter Stamm; letzteres immerhin nur knapp 20 Jahre alt. Zwei von sechs Aufgaben: Eine vergleichende Interpretation zu den Gedichten „Ich kann oft stundenlang am Strome stehen“ von Georg Herwegh (1817-1875) und „Aufblickend“ von Ingeborg Bachmann (1926-1973), sowie eine Interpretation der Erzählung „Die Katze spielt mit der Maus“ von Kurt Tucholsky (1890-1935).

Ob das zum kritischen Umgang mit Social Media-Content befähigt?

Deus ex machina

WDF ist die Abkürzung für „Within Document Frequency“ und bestimmt, wie häufig ein Term innerhalb eines Dokumentes vorkommt – und zwar im Verhältnis zum relativen Vorkommen aller übrigen Terme eines Textes bzw. Dokumentes oder einer Website.
Unbenannt

Das ist aber noch nicht das Ende der Zahlenstange. Der WDF wird von SEO-Gläubigen noch mit dem IDF kombiniert, der „Inverse Document Frequency“, der grob gesagt die Anzahl aller bekannten Texte mit in die Rechnung einbezieht. Am Ende stehen Texte, die zwar perfekt zum Algorithmus von Google passen – die aber kein Mensch mehr lesen will/kann/wird.

SEO ist ja schön und gut und nicht aus Zufall haben Sie meine Seite gefunden – aber wer glaubt, dass Google das Maß aller Dinge ist, der glaubt auch an andere Verschwörungstheorien. Mindestens.